
Auftau- und Streumittel: Unterschiede, Arten und Einsatzbereiche

Im Winter können Schnee, Eis und Glätte Straßen, Gehwege, Parkplätze und Zufahrten schnell gefährlich machen. Für die Glättebekämpfung stehen verschiedene Auftau- und Streumittel zur Verfügung. Allerdings eignet sich nicht jedes Mittel für jede Situation.
Neben klassischem Streusalz kommen beispielsweise Sand und Kies als Griffigkeitsmittel sowie alternative Taumittel wie Calciumchlorid und Magnesiumchlorid zum Einsatz. Die Unterschiede liegen unter anderem in der Wirkung, der Temperaturbeständigkeit, der Korngröße, den Kosten und den Anforderungen an Lagerung und Anwendung.
Griffigkeitsmittel: Kies und Sand
Kies und Sand gehören nicht zu den eigentlichen Auftaumitteln. Sie werden vielmehr als Griffigkeitsmittel eingesetzt, um die Rutschgefahr auf vereisten oder verschneiten Flächen zu reduzieren.
Ihr großer Vorteil besteht darin, dass sie selbst bei sehr niedrigen Temperaturen eingesetzt werden können und nicht durch einen Auftauvorgang wirken müssen. Außerdem können mineralische Griffigkeitsmittel eine Alternative sein, wenn der Einsatz von Taumitteln eingeschränkt werden soll.
Allerdings haben Kies und Sand auch Nachteile. Nach dem Ende der Frostperiode müssen die Materialien häufig wieder entfernt werden. Werden sie mit Schmelzwasser in die Kanalisation gespült, können Ablagerungen und Verstopfungen entstehen.
In besonders kalten oder höher gelegenen Regionen können Griffigkeitsmittel eine wichtige Rolle spielen, insbesondere dort, wo Schnee und Eis nicht vollständig entfernt werden können.
Streusalz: das wichtigste Auftaumittel
Das am häufigsten eingesetzte Auftaumittel ist Natriumchlorid (NaCl), besser bekannt als Streusalz.
Streusalz wird im Winterdienst seit vielen Jahren verwendet und bietet mehrere Vorteile:
- Gute Verfügbarkeit
- Vergleichsweise günstiger Preis
- Effiziente Auftauwirkung
- Einfache Lagerung und Anwendung
- Geeignet für viele Einsatzbereiche
- Verfügbarkeit in unterschiedlichen Körnungen und Verpackungsgrößen
Wie gut Streusalz funktioniert, hängt unter anderem von der Temperatur, der Salzmenge, der Korngröße und dem Zustand der behandelten Fläche ab.
Je nach Gewinnungsverfahren wird Salz unter anderem als Vakuumsalz, Steinsalz oder Meersalz angeboten.
Vakuumsalz und feines Streusalz
Vakuumsalz wird aus unterirdischen Salzlagerstätten gewonnen. Dazu wird Wasser in eine Salzschicht eingebracht, wodurch das Salz gelöst wird. Die entstehende Salzsole wird anschließend an die Oberfläche gepumpt und in industriellen Anlagen durch ein Vakuumverfahren eingedampft.
Das Ergebnis ist ein sehr reines und meist feinkörniges Salz.
Ein Nachteil dieses Verfahrens ist der vergleichsweise hohe Energiebedarf bei der industriellen Verarbeitung. Dadurch kann die Herstellung mit einem höheren Energieverbrauch verbunden sein.
Auch die feine Korngröße beeinflusst die Anwendung. Feines Streusalz kann sich schnell lösen und dadurch eine schnelle Auftauwirkung erzielen. Gleichzeitig können kleine, trockene Salzkörner beim Ausbringen leichter verweht werden. Dadurch kann ein Teil des Materials neben der eigentlichen Verkehrsfläche landen.
Für bestimmte Anwendungen kann deshalb eine gröbere Körnung oder eine Kombination verschiedener Körnungen sinnvoller sein.
Steinsalz: Streusalz aus unterirdischen Lagerstätten
Steinsalz stammt ebenfalls aus unterirdischen Salzlagerstätten. Der wesentliche Unterschied zum Vakuumsalz liegt im Gewinnungsverfahren.
Während bei der Herstellung von Vakuumsalz Salz zunächst durch Wasser gelöst und anschließend aus der Sole gewonnen wird, wird Steinsalz direkt aus festen unterirdischen Salzablagerungen abgebaut.
Dazu werden je nach Lagerstätte unterschiedliche bergbauliche Verfahren eingesetzt. Das gewonnene Salz wird anschließend zerkleinert, gesiebt und entsprechend der gewünschten Körnung verarbeitet.
Steinsalz ist in verschiedenen Korngrößen erhältlich und kann daher für unterschiedliche Anwendungen im Winterdienst verwendet werden.
Meersalz als Streusalz
Meersalz wird durch die natürliche Verdunstung von Meerwasser gewonnen. Dazu wird Meerwasser in flache Becken oder Salinen geleitet. Durch Sonneneinstrahlung und natürliche Verdunstung nimmt der Wasseranteil kontinuierlich ab, bis Salzkristalle entstehen.
Die entstehenden Kristalle können anschließend geerntet, sortiert und je nach gewünschter Anwendung weiterverarbeitet werden.
Ein Vorteil größerer Salzkörner besteht darin, dass sie beim Ausbringen weniger leicht verweht werden als sehr feine Salzkörner. Gröbere Körnungen können außerdem länger auf der behandelten Oberfläche verbleiben.
Die Eigenschaften von Meersalz hängen allerdings von der jeweiligen Herkunft, Gewinnung und Verarbeitung ab. Deshalb sollten beim Vergleich von Streusalz immer die konkreten Produkteigenschaften berücksichtigt werden und nicht allein die Salzart.
Welche Korngröße ist bei Streusalz sinnvoll?
Die Korngröße von Streusalz beeinflusst die Geschwindigkeit und Dauer der Auftauwirkung.
Feine Salzkörner lösen sich schneller auf und eignen sich daher besonders für eine schnelle Wirkung. Sie können jedoch leichter verweht werden.
Gröbere Körner bleiben länger auf der Oberfläche und können dadurch eine länger anhaltende Wirkung ermöglichen. Für den präventiven Winterdienst kann eine gröbere Körnung daher interessant sein.
Eine Mischung aus feinen und groben Körnungen kann die Vorteile beider Varianten miteinander verbinden und sowohl eine schnelle als auch eine länger anhaltende Wirkung ermöglichen.
Alternative Auftaumittel
Neben Natriumchlorid werden verschiedene weitere Auftaumittel eingesetzt. Dazu gehören unter anderem:
- Calciumchlorid (CaCl₂)
- Magnesiumchlorid (MgCl₂)
- Calcium-Magnesium-Acetat
- Natriumformiat
- Carbamid
- Ethylenglykol
Nicht alle dieser Stoffe werden in gleichem Umfang im klassischen Winterdienst eingesetzt. Sie können jedoch für bestimmte Anwendungen interessant sein, insbesondere wenn besondere Anforderungen an Temperaturbeständigkeit oder Korrosionsschutz bestehen.
Calciumchlorid
Calciumchlorid wird häufig als alternatives Taumittel zu Natriumchlorid eingesetzt. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass es auch bei niedrigeren Temperaturen wirksam sein kann.
Allerdings ist Calciumchlorid stark hygroskopisch. Es nimmt also Feuchtigkeit aus der Umgebung auf. Dadurch kann die Lagerung anspruchsvoller sein.
Außerdem können chloridhaltige Auftaumittel korrosive Auswirkungen auf bestimmte Materialien haben. Deshalb sollten bei der Verwendung die jeweiligen Produktinformationen und Sicherheitshinweise berücksichtigt werden.
Magnesiumchlorid
Auch Magnesiumchlorid kann als alternatives Auftaumittel eingesetzt werden und eignet sich insbesondere für niedrigere Temperaturen.
Wie Calciumchlorid ist auch Magnesiumchlorid hygroskopisch und kann deshalb bei der Lagerung besondere Anforderungen stellen.
Wann sind alternative Auftaumittel sinnvoll?
Alternative Taumittel können interessant sein, wenn klassische Streusalze aufgrund der konkreten Einsatzbedingungen nicht die gewünschte Leistung bieten.
Das kann beispielsweise bei sehr niedrigen Temperaturen oder bei besonders empfindlichen Oberflächen der Fall sein. Bestimmte alternative Produkte werden auch dort eingesetzt, wo die Korrosionswirkung herkömmlicher Chloridsalze möglichst reduziert werden soll.
Allerdings sind alternative Auftaumittel häufig deutlich teurer als Natriumchlorid. Deshalb sollte nicht nur die reine Auftauleistung, sondern immer auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis betrachtet werden.
Streusalz oder alternatives Taumittel?
Die Entscheidung für ein bestimmtes Auftau- oder Streumittel hängt vom jeweiligen Einsatzbereich ab.
| Mittel | Hauptfunktion | Vorteile | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Streusalz / NaCl | Auftauen | Verfügbar, wirtschaftlich, vielseitig einsetzbar | Wirkung temperaturabhängig |
| Vakuumsalz | Auftauen | Feinkörnig, hohe Reinheit | Kann leichter verwehen |
| Steinsalz | Auftauen | Verschiedene Körnungen erhältlich | Eigenschaften abhängig vom Produkt |
| Meersalz | Auftauen | Gröbere Körnungen möglich | Eigenschaften abhängig von Herkunft und Verarbeitung |
| Sand und Kies | Griffigkeit | Wirksam unabhängig vom Auftauvorgang | Muss nach dem Winter häufig entfernt werden |
| Calciumchlorid | Auftauen | Auch bei niedrigen Temperaturen einsetzbar | Hygroskopisch, besondere Lagerung |
| Magnesiumchlorid | Auftauen | Für niedrigere Temperaturen geeignet | Hygroskopisch und chloridhaltig |
| Alternative chloridfreie Taumittel | Auftauen | Für bestimmte empfindliche Bereiche interessant | Häufig höhere Kosten |
Das richtige Auftau- und Streumittel auswählen
Bei der Auswahl eines Auftaumittels sollten mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Entscheidend sind insbesondere:
Temperatur: Wie kalt ist es und bis zu welcher Temperatur soll das Produkt wirksam sein?
Korngröße: Wird eine schnelle oder eher länger anhaltende Wirkung benötigt?
Untergrund: Muss eine empfindliche Oberfläche oder ein korrosionsanfälliges Material behandelt werden?
Anwendungsart: Soll präventiv gestreut oder bereits vorhandenes Eis aufgetaut werden?
Lagerung: Wie lange und unter welchen Bedingungen kann das Produkt gelagert werden?
Kosten: Wie hoch sind Anschaffungskosten und tatsächlicher Verbrauch?
Umwelt: Welche Auswirkungen kann das eingesetzte Mittel auf Böden, Pflanzen und Gewässer haben?
Fazit
Für viele klassische Anwendungen im Winterdienst bleibt Streusalz auf Basis von Natriumchlorid eine praktische und wirtschaftliche Lösung. Es ist gut verfügbar, lässt sich vergleichsweise einfach lagern und transportieren und kann bei geeigneten Temperaturen effektiv zur Eis- und Glättebekämpfung eingesetzt werden.
Vakuumsalz, Steinsalz und Meersalz unterscheiden sich vor allem durch ihre Gewinnung und ihre physikalischen Eigenschaften. Auch die Korngröße spielt eine wichtige Rolle für die Anwendung.
Bei besonderen Anforderungen können Calciumchlorid, Magnesiumchlorid oder andere alternative Auftaumittel eine geeignete Lösung sein. Sand und Kies erfüllen dagegen eine andere Funktion: Sie verbessern die Griffigkeit, ohne das Eis durch einen chemischen Auftauvorgang zu schmelzen.
Die beste Wahl ist daher immer abhängig von Temperatur, Untergrund, gewünschter Wirkung, Lagerbedingungen und dem konkreten Einsatzbereich.
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