
Glättebekämpfung: Streusalz und andere Taumittel richtig einsetzen

Schnee, Eis und Glätte können im Winter schnell zu einer Gefahr für Fußgänger, Fahrzeuge und den Straßenverkehr werden. Eine wirksame Glättebekämpfung ist deshalb besonders auf Gehwegen, Einfahrten, Parkplätzen, Betriebsgeländen und anderen Verkehrsflächen wichtig.
Für die Bekämpfung von Eis und Glätte stehen verschiedene Taumittel zur Verfügung. Doch welches Mittel eignet sich für welchen Einsatz? Neben klassischem Streusalz gibt es beispielsweise Salzsole, Taugranulate und Taumittel auf Kalziumchloridbasis.
Die richtige Auswahl hängt unter anderem von der Temperatur, der Beschaffenheit des Untergrunds, der gewünschten Auftauwirkung und den Lagerbedingungen ab.
Streusalz: das klassische Taumittel zur Glättebekämpfung
Streusalz auf Basis von Natriumchlorid (NaCl) gehört zu den am häufigsten eingesetzten Taumitteln im Winterdienst. Es senkt den Gefrierpunkt von Wasser und kann dadurch Eis und Schnee auftauen.
Je nach Herkunft und Herstellungsverfahren wird Salz unter anderem als Siedesalz, Steinsalz und Meersalz angeboten. Die Produkte können sich hinsichtlich Reinheit, Körnung und Eigenschaften unterscheiden.
Feines oder grobes Streusalz?
Die Korngröße von Streusalz spielt bei der Glättebekämpfung eine wichtige Rolle. Feine Salzkörner lösen sich schneller auf und können dadurch eine schnelle Auftauwirkung erzielen. Aufgrund ihres geringen Gewichts können sie jedoch leichter verweht werden.
Gröbere Salzkörner benötigen etwas mehr Zeit, um sich aufzulösen, können dafür länger auf der behandelten Fläche verbleiben. Für eine länger anhaltende Wirkung kann eine geeignete gröbere Körnung daher vorteilhaft sein.
Bei Produkten mit einer Kombination aus feinen und groben Körnungen kann sowohl eine schnelle als auch eine länger anhaltende Wirkung erzielt werden. Dadurch eignen sie sich je nach Produkt und Einsatzbereich sowohl für die präventive als auch für die kurative Glättebekämpfung.
Streusalz kann für kleinere Flächen in Säcken und für größere gewerbliche oder industrielle Anwendungen auch als Palettenware oder lose Ware angeboten werden.
Salzsole für die präventive Glättebekämpfung
Neben trockenem Streusalz wird auch Salzsole zur Glättebekämpfung eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine wässrige Lösung von Natriumchlorid.
Eine Salzsole mit einer Konzentration von etwa 23 % Natriumchlorid kann einen sehr niedrigen Gefrierpunkt erreichen. Unter geeigneten Bedingungen kann eine solche Sole bis zu Temperaturen von etwa -21 °C eingesetzt werden, ohne selbst zu gefrieren.
Salzsole wird insbesondere für das präventive Streuen eingesetzt. Sie kann außerdem in Kombination mit trockenem Streusalz verwendet werden, wenn eine schnelle und zuverlässige Auftauwirkung erforderlich ist.
Ein wichtiger Vorteil der Sole liegt darin, dass sie direkt auf der Oberfläche verteilt werden kann und nicht erst durch Feuchtigkeit aufgelöst werden muss.
Andere Taumittel für die Glättebekämpfung
Streusalz ist nicht für jede Situation automatisch die beste Lösung. Je nach Temperatur und Untergrund können andere Auftaumittel interessant sein.
Taugranulate als Alternative zu Streusalz
Taugranulate können eine Alternative zu herkömmlichem Streusalz darstellen. Beim Kontakt mit Eis oder Schnee kann eine Reaktion stattfinden, bei der Wärme freigesetzt wird und das Eis auftaut.
Chloridfreie Taugranulate können insbesondere dann interessant sein, wenn empfindliche Materialien behandelt werden müssen. Dazu können beispielsweise Aluminium, Stahl, Stahlbeton oder Naturstein gehören.
Je nach Produkt können bestimmte Taugranulate außerdem biologisch abbaubar sein und eine Alternative für Bereiche darstellen, in denen die Verwendung herkömmlicher chloridhaltiger Taumittel problematisch ist.
Kalziumchlorid bei starkem Frost
Bei besonders niedrigen Temperaturen kommen auch Taumittel auf Kalziumchloridbasis (CaCl₂) zum Einsatz.
Kalziumchlorid kann unter geeigneten Bedingungen auch bei stärkeren Minusgraden wirksam sein. Es kann beispielsweise als Bestandteil einer Mischung aus Natriumchlorid und Kalziumchlorid oder in reiner Form verwendet werden.
Allerdings ist Kalziumchlorid stark hygroskopisch. Das bedeutet, dass es Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen kann. Dadurch kann die Lagerung anspruchsvoller werden. Bei der Verwendung sollten außerdem die jeweiligen Sicherheits- und Anwendungshinweise des Produkts beachtet werden.
Welches Taumittel eignet sich für die Glättebekämpfung?
Die Wahl des passenden Taumittels sollte nicht ausschließlich vom Preis abhängig gemacht werden. Vor dem Einsatz sollten mehrere Faktoren berücksichtigt werden:
- Taukapazität: Wie viel Eis kann mit einer bestimmten Menge des Produkts aufgetaut werden?
- Temperaturbereich: Bis zu welcher Temperatur bleibt das Taumittel wirksam?
- Anwendung: Ist das Produkt für präventives oder kuratives Streuen geeignet?
- Untergrund: Ist die zu behandelnde Oberfläche empfindlich oder korrosionsanfällig?
- Sicherheit: Gibt es besondere Anforderungen bei Lagerung und Anwendung?
- Umweltverträglichkeit: Welche Auswirkungen kann das Taumittel auf Pflanzen, Böden und Gewässer haben?
- Verfügbarkeit: Ist das Produkt in ausreichender Menge erhältlich?
- Lagerfähigkeit: Kann das Taumittel über längere Zeit problemlos gelagert werden?
- Kosten-Nutzen-Verhältnis: Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten im Verhältnis zur erzielten Wirkung?
Streusalz oder Kalziumchlorid – was ist besser?
In vielen klassischen Anwendungen ist Natriumchlorid als Streusalz eine wirtschaftliche und gut verfügbare Lösung. Es kann bei geeigneten Temperaturen effektiv zur Eisbekämpfung eingesetzt werden und lässt sich als trockenes Salz vergleichsweise einfach transportieren und lagern.
Bei extrem niedrigen Temperaturen können dagegen Taumittel auf Kalziumchloridbasis Vorteile bieten. Allerdings müssen hier die höheren Anforderungen an Lagerung, Handhabung und Sicherheit berücksichtigt werden.
Deshalb gibt es nicht für jede Situation ein einziges „bestes“ Taumittel. Die richtige Wahl hängt immer von den konkreten Einsatzbedingungen ab.
Vergleich verschiedener Taumittel
| Taumittel | Basis | Form | Einsatz | Temperaturbereich* |
|---|---|---|---|---|
| Streusalz | NaCl | Kristalle | Präventiv & kurativ | bis ca. -12 °C |
| Salzsole | NaCl | Flüssig | Vor allem präventiv | bis ca. -12 °C |
| Salzsole & Streusalz | NaCl | Flüssig & fest | Präventiv & kurativ | bis ca. -12 °C |
| Salz-/Kalziumchlorid-Mischung | NaCl + CaCl₂ | Kristalle | Kurativ | bis ca. -18 °C |
| Kalziumchlorid | CaCl₂ | Granulat/Splitter | Kurativ | bis ca. -20 °C |
| Chloridfreies Taugranulat | je nach Produkt | Granulat | Präventiv & kurativ | abhängig vom Produkt |
*Die tatsächliche Wirksamkeit hängt unter anderem von Produkt, Dosierung, Eisart, Feuchtigkeit und den jeweiligen Wetterbedingungen ab. Die konkreten Herstellerangaben sollten immer beachtet werden.
Präventiv streuen: Glätte möglichst vermeiden
Die effektivste Glättebekämpfung beginnt möglichst vor der Bildung einer starken Eisschicht. Beim präventiven Streuen wird ein Taumittel bereits eingesetzt, bevor Schnee und Eis fest auf der Oberfläche haften.
Dadurch kann verhindert werden, dass sich eine hartnäckige Eisschicht bildet. Gleichzeitig kann der benötigte Materialeinsatz geringer ausfallen als bei der späteren kurativen Behandlung einer bereits stark vereisten Fläche.
Die genaue Dosierung hängt jedoch von der Temperatur, der Niederschlagsmenge, dem Zustand der Oberfläche und dem verwendeten Taumittel ab.
Erst räumen, dann streuen
Bei bereits vorhandenem Schnee sollte nicht einfach eine große Menge Streusalz oder Taumittel auf die gesamte Fläche verteilt werden. Zunächst sollte möglichst viel Schnee mechanisch entfernt werden.
Anschließend kann das passende Streusalz oder Taugranulat auf der verbleibenden Eis- beziehungsweise Schneeschicht ausgebracht werden. Dadurch muss das Taumittel weniger Material auftauen und kann effizienter eingesetzt werden.
Das Prinzip ist einfach:
Schnee räumen → Taumittel ausbringen → auftauendes Eis entfernen
Auf diese Weise lässt sich bei der Glättebekämpfung häufig ein besseres Ergebnis erzielen und gleichzeitig der Verbrauch reduzieren.
Fazit: Das richtige Taumittel für jede Situation
Für die klassische Glättebekämpfung ist Streusalz auf Basis von Natriumchlorid eine bewährte und weit verbreitete Lösung. Die Wahl der richtigen Körnung und die passende Anwendung sind entscheidend für die gewünschte Wirkung.
Salzsole eignet sich besonders für die präventive Behandlung, während Kalziumchlorid bei niedrigeren Temperaturen interessant sein kann. Chloridfreie Taugranulate können wiederum eine Alternative für empfindliche Untergründe darstellen.
Unabhängig vom gewählten Produkt gilt: Je früher eine Glättegefahr erkannt wird, desto effizienter kann sie bekämpft werden. Bei bereits vorhandenem Schnee sollte zunächst geräumt und anschließend das geeignete Taumittel gezielt eingesetzt werden.
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